Schulcloud vs. moodle

Seit einigen Monaten wird von Seite der Politik und dem HPI (Hasso-Plattner-Institut) zunehmend die Schulcloud in den Vordergrund geschoben und beworben, als ob es bisher noch gar keine digitale Bildung gab. Die Schulcloud sei DIE Zukunft und wird sogar von der Bundesministerin für Bildung beworben … ist ja auch kein Wunder, denn die Millionen, mit denen das HPI die Schulcloud entwickelt, stammt ja aus ihrem Hause. Die Berichte glorifizieren die Schulcloud nahezu.

Die Frage aber ist, was das Ziel des Schulcloud-Projektes ist? Soll es in Zukunft moodle und andere LMS ersetzen? Wer die Schulcloud unter dem Aspekt betrachtet, sollte bedenken, dass das, was die schicke, neue Schulcloud kann, von den LMSen wie moodle schon seit langem angeboten wird … und noch viel mehr. In meinem Bericht möchte ich einen Einblick in einen von mir erstellten Kurs auf der vom Land Rheinland-Pfalz kostenlos für Schulen angebotenen Plattform moodle@RLP bieten und dabei zeigen, was moodle kann und vergleiche das mit der aktuellen Version der Schulcloud, in die ich auch reinschauen und damit beurteilen kann, was sie wirklich drauf hat. Wobei ich gestehen muss, dass ich wenig Erfahrung mit der Schulcloud habe und daher weiß ich womöglich doch nicht alles. Gerne dürfen die erfahrenen Schulcloud-Nutzer mich korrigieren.

Aussehen und Menü

moodle wird ja immer nachgesagt, dass es ein altbackenes Aussehen hat und viele Menüs mit vielen Einträgen, die man als Laie gar nicht überblicken kann. Meine grundsätzliche Meinung zu der Menge an Einträgen ist, dass moodle nun mal viel mehr Funktionen hat und die muss man ja irgendwie erreichen. Diese Blöcke, in denen die Menüs untergebracht sind, kann man aber bei allen moderneren „Themes“, also den Design-Vorlagen, einklappen. Ich nutze in den meisten Kursen das zur Verfügung gestellte Theme „Boost“. Hier gibt es zwei Menü-Blöcke links, die standard-mäßig eingeklappt sind und für sich sehr aufgeräumt und damit übersichtlich sind.

Im oberen Menü-Bereich (nach dem Ausklappen) sind alle wichtigen Kurs-internen Links angeben, unter anderem auch die Themen-Bereiche, zu denen man so direkt springen kann.

 

Die Einstellungen für den Kurs bzw. für einzelne Aktivitäten verstecken sich unter dem Zahnrad, dass rechts oben im Bild zu sehen ist. Das ist für erfahrene moodle-Nutzer  etwas ungewohnt, aber wenn man sich daran gewöhnt hat, ist das okay. Man muss nur bedenken, dass der Inhalt des Einstellungs-Menüs unter dem Zahnrad sich anpasst, an die Seite, auf der man sich befindet. Auf der Kursseite findet man die Einstellungen für den Kurs, auf einer Aktivitäts-Seite die Einstellungen dazu.

Wie in moodle üblich, gibt es einen Krümmelpfad, der eine schnelle Rücknavigation ermöglicht, aber nur, wenn man den oberen Bereich der Seite gerade sieht. Sonst muss man immer nach oben scollen.

In der Schulcloud (ich verzichte auf Bilder, wer will, kann ja einen Demo-Zugang nutzen und es sich selber anschauen) gibt es links ein statisches Menü, dass wenige Einträge enthält, nämlich für Übersicht, Neuigkeiten, Kurse, Termine, Aufgaben, Meine Daten, Lernstoff und Verwaltung.

Die Kurs-Seite kann in moodle unterschiedlich aussehen. Neben dem Themenformat ist das etwas neuere Grid-Format äußerst attraktiv. Mit Bildern bekommt der Nutzer einen Überblick, welche Themen verfügbar sind, bekommt ggf. Nachricht, dass es einen neuen Inhalt gibt. Rechts im Bild ist der Kalender zu sehen, in dem unter anderem Nachrichten bezüglich von Terminen für Aufgaben zu sehen sind (diesen Block kann man aber ausschalten!). Im Bild ist das Menü links weggeklappt, wodurch mehr Platz für den Inhalt ist.

Das Grid-Format sieht schick aus, hat allerdings den Nachteil, dass man soviel einstellen kann, dass es schon wieder unübersichtlich wird. Aber für den Benutzer ist es definitv ein Eye-Catcher, wenn man sich als Kursersteller die Mühe macht, passende Bilder zu suchen, die auch vom Format her reinpassen (was man aber auch einstellen kann). Hier eine anderer Kurs (für die Lehrer-Fortbildung), bei dem das Grid-Format mit hochkantigen Bildern genutzt wird.

In der Schulcloud gibt es je Kurs ebenfalls Themen, die aber als rechteckige Zeilen/Kästen organisiert sind. In jedem Themenkasten gibt es die Möglichkeit das Thema zu verschieben, es unsichtbar zu machen, es zu löschen und zu teilen (an Kollegen weitergeben). Ein solches Teilen ist in moodle über eine Kurssicherung komplett möglich.

Auf der Kursseite sind die Themen in einem Unterpunkt organisiert, daneben Aufgaben, Tools und Gruppen.

Auf die Sichtbarkeit von Themen bei moodle werde ich später noch genauer eingehen.

Themenseiten

Wenn man eines der Grid-Kacheln anklickt, kommt man auf die entsprechende Themen-Seite. Hier zwei Beispiele:

 

Die Themen-Seite kann man, wie vorhin schon erwähnt, auch aus dem Menü links erreichen (wenn es ausgeklappt ist) und so von einem Thema direkt zu einem anderen gelangen. Man kann aber auch auf die Seite des vorherigen und des nächsten Themas wechseln (links und rechts oberhalb der Themenüberschrift).

Unter der Themen-Überschrift kann man Informationen zu dem Thema angeben, sozusagen als Einführung zu der Themen-Seite, muss man aber nicht. Was die Gestaltung betrifft, dazu komme ich später noch.

Unterhalb des Einführungs-Bereiches auf der Themen-Seite folgen dann die Aktivitäten, die zu dem Thema gehören. Natürlich können diese Aktivitäten auch in andere Themen-Bereiche verschoben werden.

Man sieht im Bild die Titel der Aktivitäten und anhand des kleinen Bildes davor die Art der Aktivität. Durch das Einrücken der Aktivitäten kann man Zusammenhänge verdeutlichen.

Um größere Mengen an Aktivitäten (sozusagen die Unterseiten zu dem Thema) zu organisieren, kann man auf der Kursseite Textfelder einfügen. Hier nutze ich sie, um Überschriften für die Abschnitte auf der Themenseiten anzugeben und damit das Material zu strukturieren.

Was hier vielleicht noch auffällt, sind die Kästchen rechts, teilweise mit oder ohne Haken. Diese Haken dienen zur Verdeutlichung, ob eine Aktivität abgeschlossen wurde oder nicht. Die Farbe hat ebenfalls eine Bedeutung, nämlich bezüglich der Sichtbarkeit für die Schüler.

In der Schulcloud sind die Materialien zu einem Thema direkt auf der Themenseite zu sehen. Will man ein Material bearbeiten, so bearbeitet man das gesamte Thema auf einmal und kann dann in allen Aktivitäten etwas verändern oder deren Reihenfolge ändern.

Sind in einem Thema viele Materialien enthalten, so ist die Themenseite ziemlich lang. Wobei man auch Links auf eine sogenannten „Interne Komponente“ einbauen kann, was einem Link auf ein Material der Schulcloud entspricht. Wo man diese anderen Seiten dann unterbringt weiß ich nicht, vielleicht in einem versteckten Thema?

Aktivitäten und Materialien

In moodle sind Aktivitäten getrennte Materialien, die auf einer Extra-Seite angezeigt werden. Das gleiche gilt für die Bearbeitung der Aktivitäten, also deren Inhalt und den Einstellungen dazu.

Die Menge an möglichen Aktivitäten extra aufzuzählen wäre ziemlich aufwendig. Ich füge mal ein Bild ein, dass aber nur einen Teil der möglichen Aktivitäten zeigt.

Auch hier lauert wieder eine potentielle Überforderung für den unerfahrenen moodle-Trainer. Die Landes-moodle in Rheinland-Pfalz haben aber genau dafür ein Plugin installiert, das dem Benutzer eine Einstellung bezüglich seiner Erfahrung ermöglicht. Man kann mit dem Level-Plugin so die Anzahl der Aktivitäten und der Einstellungsmöglichkeiten reduzieren. Auch erfahrene Benutzer können davon profitieren, da man so schneller an die gewünschte Aktivität kommt, wenn man Aktivitäten, die man soweiso nicht nutzt, weglässt.

Die Menge an Aktivitäten in der Schulcloud ist recht überschaubar. Zur Verfügung stehen Text, GeoGebra-Arbeitsblatt, Material (aus dem Lernstore), neXboard (eine Art Whiteboard zur kooperativen Zusammenarbeit), Etherpad und Interne Komponente (scheinbar ein interner Link).

Soweit ich das überblicke, gibt es keine weitergehenden Einstellungen zu den Aktivitäten in der Schulcloud, außer dass man die Aktivität sperrt (also vermutlich unsichtbar macht).

Im Vergleich zum moodle@RLP hat die Schulcloud nur einen Vorteil, nämlich das neXboard.

In moodle haben fast alle Aktivitäten Einstellungen zur Darstellung (wie die Aktivität dargestellt wird, z.B. auf einem Extra Tab), ob die Schüler die Aktivität nutzen können oder nicht und ob die Schüler diese Aktivität trotz Unsichtbarkeit trotzden nutzen können. Mit Vorraussetzungen kann man festlegen, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit die Aktivität verfügar ist (auch ab einem bestimmten Zeitpunkt). Umgekehrt kann man mit Aktivitätsabschluss festlegen, wann eine Aktivität als abgeschlossen gilt (was man dann auch als Vorrausetzung nutzen kann).

Die Möglichkeiten bei diesen vielen Einstellungen sind natürlich enorm. Aber dies kann man definitiv als etwas für fortgeschrittene Kursersteller ansehen.

Um es noch einmal zu erwähnen. Natürlich kann ich auch GeoGebra in moodle nutzen. Ich binde eine fertige Zeichnung von der GeoGebraSeite per iFrame auf eine Textseite ein, oder verwende (die oben nicht im Bild zu sehende) GeoGebra-Aktivität ein, wo ein Schüler eine von mir vorgegebene Zeichnung vervollständigen muss/kann, um sie dann abzugeben. Dies kann man als Lehrer kontrollieren und bewerten.

Editor

Wie ein Kurs aussieht hängt natürlich auch davon ab, wieviel Mühe man sich gibt und wieviel Ahnung man im Umgang mit HTML hat.

Man sieht hier im Bild eine Text-Seite, also eine Aktivität. Die Bilder sind mit Hilfe des Bootstrap-Grid formatiert. Diese Formatierung stellt einen modernen Ersatz für Tabellen dar, die flexibel auf die Breite des Browser-Fensters reagiert, die Bilder in der Größe anpasst und ggf. die Bilder (Spalten) untereinander anordnet. Im folgenden Bild man die Editor-Ansicht, der gestrichelte Rahmen stellt die Bereiche von dem Bootstrap-Grid dar.

Der hier verwendete Atto-Editor … man kann per Plugin auch andere installieren und der Benutzer kann sein Wunsch-Editor aktivieren … hat eine größere Menge an Werkzeugen. Diese sind in zwei Reihen angeordet, wobei die zweite Reihe erst einmal ausgeblendet ist und nur bei Wunsch (Symbol links im oberen Bild, blau umrandet) angezeigt wird.

Für den Atto-Editor gibt es inzwischen eine größere Anzahl an Plugins, die die Anzahl an Werkzeugen noch einmal erhöht. In moodle@RLP sind zum Beispiel ergänzt: HTML-Vorlagen, eine größere Anzahl an Farben, Editoren für mathematische und andere Formeln, die Bootsrap-Grids, handgezeichnete Bilder (ein Ersatz für das neXboard?) und weitere.

In der Schulcloud sind die grundlegenden, üblichen Formatierungen in einem WYSIWYG-Editor enthalten.

Was mir auffällt ist, dass der Editor keine Möglichkeit zur Bearbeitung in HTML ermöglicht. Zugegebenermaßen verwende ich diese Möglichkeit in moodle öfters. Zum Teil ist das auch nötig, weil Atto hin und wieder auch mal den Code etwas verhunzt. Da ist es am einfachsten, auf HTML-Ansicht umzuschalten. Allerdings bietet diese HTML-Bearbeitung auch die Möglichkeit vorgegebene Strukturen und Kästen zu verwenden, indem man den HTML-Code einfügt, wieder auf WYSIWYG-Ansicht umschaltet und dann den Text bearbeitet.

 

In der Schulcloud ist das nicht möglich, soweit ich das sehe. Vielleicht kann man in einem Texteditor auf dem Desktop hübsche Kästen erstellen und dann in den Editor kopieren. Es gibt auf jeden Fall ein paar vordefinierte Stile, wie zum Beispiel einen grauen Kasten. Der Editor bietet aber auch Anker, die man ja üblicherweise für Sprünge an bestimmte Stellen einer HTML-Seite verwendet. Ich denke, dass das in moodle nicht nötig ist, da die einzelnen Aktivitäts-Seiten eh voneinander getrennt sind und in HTML kann ich bei ausreichend Vorwissen auch so Anker von Hand einbauen. Unerfahrene Nutzer werden mit dem Begriff Anker nichts anzufangen wissen und das Tool dann eh ignorieren.

An Medien können bei beiden System verschiedene eingefügt werden, sagen wir mal das Übliche. Von moodle weiß ich, dass man über einen Filter dafür sorgen kann, dass eingefügte Links auf gleich Medien eingebettet werden, man braucht dann keinen iFrame-Code oder Ähnliches. Soweit ich das richtig sehe, können beide Systeme auch Medien wie Videos und Sound-Dateien gleich aufnehmen.

In moodle kann man über einen Dateien-Dialog auf „alte“ Medien zugreifen. Ich persönlich mag besonders die Möglichkeit, Bilder direkt von Wikimedia Commons zu nutzen und ohne Herunterladen und wieder Hochladen einfügen. Dabei werden sogar die Lizenz-Informationen übernommen. In beiden System kann man externe Medien direkt einbinden. Viele von den in den Screenshots zu sehenen Fotos stammen aus Wikimedia-Commons.

Spezielle Aktivitäten

moodle bietet einige Möglichkeiten, die Schüler aktiv werden zu lassen und zusammen Produkte zu erstellen.

Spezieller und für mich besonders erwähnenswert sind dabei die Folgenden:

  • Das Glossar, wo die Schüler eigenen Lexikon-Einträge anlegen können, welche von den anderen kommentiert werden können. Der Eintrag kann bewertet und die Begriffe können im ganzen Kurs automatisch zu dem Glossar-Eintrag verlinkt werden.
  • Das Forum bietet nicht nur die Möglichkeit für Diskussionen, sondern kann auch für ein Peer-Review genutzt werden, mit zahlreichen Varianten.
  • Einen Test kann man als eine offzielle Abfragung verstehen, wo verschiedene Arten an Fragen möglich sind. Die Auswertung und Analyse–Möglichkeit dieser Tests ist extrem umfangreich. Unter anderem kann man auch GeoGebra-Aufgaben verwenden, die definierte Lösungen abfragen.

Daneben gibt es auch Aufgaben, wobei man unterscheiden kann, was der Schüler abzugeben hat. Möglich ist eine Texteingabe (in den Editor), eine Abgabe von Dateien oder einer GeoGebra-Zeichnung. moodle bietet hier zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten.

Auch in der Schulcloud gibt es Aufgaben. Soweit ich das sehe, kann die Abgabe aber nur über das Textfeld geschehen. Bilder werden also in das Textfeld eingebettet.

Ein Unterschied ist, dass in der Schulcloud die Aufgaben an einer Stelle gesammelt werden. In moodle sind die Aufgaben auch Aktivitäten, die wie die anderen Arten an Aktivitäten auf der Kursseite einsortiert werden. Man könnte ggf. die Aufgaben in einen abgetrennten Abschnitt der Kursseite sortieren, damit man sie besser findet. Aktuelle Aufgaben werden aber auch im Kalender eingezeigt

In der Schulcloud gibt es noch den Kursbereich „Tools“, in dem der Lehrer der Klasse ein Werkzeug zur Verfügung stellen kann. Aktuell sind das GeoGebra, Bettermarks (kostet etwas) und CodeOcean(?). Ich halte das ehrlich gesagt für etwas unnötig, hier GeoGebra anzubieten, denn GeoGebra kann ja sowieso online genutzt werden. Die verwendete GeoGebra-Version entspricht übrigens „GeoGebra Classic 6“.

Was ja immer eine einfache Möglichkeit der Erweiterung darstellt, ist die Nutzung von iFrames zur Einbettung von verschiedenen Materialien, Tools, Videos uvm. Zwei wichtige Quellen sind LearningApps.org und h5p.org, wo man recht bequem Quizze erstellen kann.

In moodle kann man das im Textfeld machen (in HTML-Ansicht einfügen). Wie das in der Schulcloud geht, weiß ich nicht, aber es geht sicher auch.

Interessant ist in moodle, dass man sowohl LearningApps- und h5p-Quizze auch anders einbetten kann. Dazu muss man spezielle Aktivitäten verwenden. Bei LearningApps exportiert man ein Quiz als Scorm-Paket und importiert es in moodle als Lernpaket. Bei h5p gibt es ein Plugin, in dem man direkt h5p-Quizze erstellen oder vorhandene hochladen kann. In beiden Fällen können die Ergebnisse der Schüler ausgewertet werden, was beim Einbetten per iFrame nicht geht.

Ein, als Aktivität integriertes, h5p-Quiz in moodle sieht zum Beispiel so aus:

Ich kann für diese h5p-Quizze bei jedem Schüler, der teilgenommen hat, genau seine richtigen und falschen Antworten sehen. Für das Quiz mit den Zuordnungen etwa, würde ich sehen, welches Kärtchen falsch zugeordnet worden wäre. Bei MultipleChoice-Quizzen sehe ich die Antwort-Auswahl des Schülers für jede Frage einzeln und könnte so nach den Problemen des Schülers schauen.

Hier scheint es bei der Schulcloud bei weitem keine ähnlichen Möglichkeiten zu geben. Das Einbauen des h5p-Plugin ist sicher keine so große Schwierigkeit, da es sich ja im OpenSource-Software handelt. Aber das ist nur ein Teil der großen Möglichkeiten, die Schüler-Aktivitäten auf moodle würdigen zu können und so auch automatisch zu bewerten. Das folgende Bild zeigt einer der möglichen Übersichten.

Da werde ich sogar noch mehr Zeit brauchen, mich nach und nach einzuarbeiten. Wichtiger ist aber sicher das Erstellen von guten Inhalten und die Schüler an der Arbeit mit einem LMS zu gewöhnen, damit sie das ernst nehmen.

moodle@RLP bietet übrigens noch eine Spezialität für die individuelle Zuweisung der Aktivitäten zu einzelnen Schülern und Schülergruppen, nämlich den Arbeitsplaner. Es handelt sich um eine Eigenentwicklung des Landes. Hier möchte ich keine Screenshots zeigen, da ich mich da nicht auf einzelne Schüler konzentrieren kann, sondern immer alle im Überblick habe und da möchte ich nicht zu indiskret sein. Mehr Infos zum Arbeitsplaner gibt es auf der Seite des Pädagogischen Landesinstitutes.

Rechte , Sichtbarkeit und Co.

Die Arbeit mit Rechte-Gruppen ist für LMSen das A & O. Wie genau das in der Schulcloud funktioniert weiß ich nicht. Als einfacher Lehrer habe ich da nicht so tiefe Einblicke. An einigen Stellen kann ich Inhalte bearbeiten und neue Inhalte anlegen. Das geschieht stark integriert in die Oberfläche. Schüler werden das nicht dürfen, was aber ja gewünscht ist.

Auf moodle@RLP sind einige Rollen vordefiniert. Der Schulberater hat auf der Schul-eigenen Instanz die meisten Rechte und kümmert sich neben der Verwaltung der Benutzer um die Startseite des Schul-moodles. Er ist auf der Schul-eigenen Instanz der Herr über die Vergabe der Rechte und kann auch bestimmen, welcher Lehrer wo einen Kurs anlegen kann. Allerdings hat auch der Schulberater kein echtes Admins-Recht und kann tiefergehende Einstellungen nicht vornehmen. Die Schulberater werden für den Bereich geschult, in dem sie walten können, eine Ausbildung als moodle-Admin würde zu weit gehen. So will man sicher auch verhindern, dass eine unbedachte Änderung die moodle-Instanz der Schule unbrauchbar macht.

In moodle gibt es für den Kursersteller bzw. Trainer eine Bearbeitungsansicht, die man anschalten muss, in der dann Knöpfchen angezeigt werden, mit denen ich an verschiedenen Stellen etwas editieren kann. Bis auf Überschriften der Aktivitäten und einige wenigen Einstellungen(die man schnell von den Themenseite editieren kann), geschieht das immer auf einer speziellen Bearbeitungs-Seite.

Die Schüler bekommen aber, je nachdem welche Möglichkeiten man als Kurserstellter nutzt, eine andere Ansicht. Dazu kann man in moodle die Rolle wechseln oder man erstellt sich einen weiteren Test-Schüler-Account. Die folgenden zwei Bilder zeigen die Ansicht einer Themen-Seite, einmal als Lehrer und dann als Schüler.

 

Man sieht, wie viele Aktivitäten in diesem Bereich vorhanden sind. Als Schüler sieht man an dieser Stelle aber nur das, was im folgenden Bild zu sehen ist:

Die ganzen Einzelmaterialien sind für den Schüler nicht sichtbar. Er kann sie nutzen, indem er auf die Unterseiten geht und dort in den Aufgabenstellungen (mit grünem Rand – sieht oben) dann die einzelnen Aufgaben erreichen kann. Hier wurden die Aktivitäten so eingebunden, dass der Schüler sie nutzen kann, ohne dass sie aber auf der Kursseite zu sehen sind. Dadurch ist die Themenseite extrem aufgeräumt, ja zugegebenermaßen etwas leer. Ich werde, wenn ich Zeit habe, da noch ein wenig Zeit investieren, um den Schülern vorab etwas mehr Infos zu geben, was sie auf den Unterseiten erwarten wird und das eine oder andere hübsche Bild einzufügen.

Übrigens können natürlich auch ganze Themen versteckt werden, so dass man als Lehrer die Themen-Seite in Ruhe vobereiten kann. Dann kann auch die Kachel im Grid-Format versteckt oder ausgegraut werden.

Ansicht auf Mobil-Geräten

Für die Zukunft spielt sicher auch eine Rolle, wie gut ein LMS auf Mobil-Geräten nutzbar ist. Die Schulcloud hat hier vielleicht leichte Vorteile, denn sie wurde von vorne hinein dafür programmiert. So verkleinert sich das statische Menü links bei schmalen Browser-Display auf Icon-Größe und der Text fällt weg. In moodle ist das Menü im Theme „Boost“ ja sowieso einklappbar, aber bei eingerückten Aktivitäten habe ich das Problem, dass die Ansicht hochkant nicht wirklich gut ist. Da hilft aber schon ein Drehen des Gerätes.

Diese nicht optimale Nutzbarkeit der moodle-Web-Oberfläche kann aber durch die moodle-mobil-App ausgeglichen werden. Die frei verfügarbare App installiert sich der Schüler auf dem Smartphone oder Tablet und hat dann die gleichen Inhalte wie im Browser in kompakterer Form dargestellt. Nicht alle Aktivitäten können in der App dargestellt werden, bei einigen macht es auch keinen Sinn, weil sie einfach mehr Platz auf dem Display benötigen. Hier ein paar Ansichten von dem Chemie-Kurs in der moodle-mobile-App.

Screenshot_20181017-211651-576×1024
Screenshot_20181017-211633-576×1024
Screenshot_20181106-123326-576×1024
Screenshot_20181106-123411-576×1024

Besonders interessant ist aber die Tatsache, dass man den Inhalt seiner Kurse auf das Smartphone/Tablet herunterladen und damit auch offline, nutzen kann.

Und ganz aktuell kam gerade die Nachricht für moodle@RLP, dass Schulen bei Interesse eine Push-Funktionalität der moodle-mobil-App nutzen können, die die App zu einem echten WhatsApp-Ersatz machen könnte. Denn Schüler bekommen bei einer neuen Nachricht dann eine Push-Nachricht (Ton, Vibration, o.ä. und Anzeige im Statusbereich) , dass es etwas angekommen ist. Im Normalfall bekommt man nur eine Mail zugesendet. Ich kann das bei mir an der Schule nicht testen, bekomme aber sicher noch mehr mit.

Fazit

Eigentlich habe ich es ja schon geahnt, aber der detaillierte Vergleich führt mir erschreckend noch einmal vor Augen, dass die Schulcloud kaum etwas kann, im Vergleich zu moodle. Ich verstehe nun um so weniger, warum sie so gehyped wird!? Trauen sich die Schulcloud-Befürworter, sich mal meinen Bericht anzuschauen und diesen zu kommentieren?

Im Grund genommen ist es eine Unverschämtheit, bei den ganzen Möglichkeiten, die mit der Schulcloud beworben werden, andere LMS außen vor zu lassen. Denn Differenzierung und ähnliches ist so schon lange möglich.

Ich sehe aktuell nur zwei Vorteile bei der Schulcloud. Das Tool „neXboard“ würde mich sehr interessieren und der eingebaute „Lernstore“, mit Zugriff auf lizensierte und OER-Materialien. Letzterer wird aber vermutlich in Zukunft in RLP von dem in Entwicklung befindlichen Cloud-System Edu-Sharing (siehe auch Schulcampus@RLP) überboten werden. Edu-Sharing soll eine Art moderierte und übergreifende Dropbox sein, wo man nicht nur auf Medien mit Landeslizenz zugreifen kann, sondern auch alle möglichen Arten an Zusammenarbeit und Kooperation mit Kollegen und Schülern haben kann. Wer sich traut, kann seine Materialien auch ganz öffentlich zur Verfügung stellen. Dank umfangreichen Meta-Daten soll das Ganze überschaubar werden, neben Material von einzelnen Lehrern kann es moderierte Sammlungen von Material geben. Ich warte gespannt und freudig darauf, Edu-Sharing mit meinem Material zu fluten 😉 .

Was das nexBoard betrifft, so kann es sicher auch eine Lösung geben. Es gibt aktuell ja schon Lösungen, die nicht direkt in moodle integriert sind, aber angesichts der Übermacht von moodle im Vergleich zur Schulcloud, halte ich das noch verschmerzbar.

Wo ich mich auch frage, ob das Zukunft hat, ist die Tatsache, dass alle Schulen in der Schulcloud auf der genau gleichen „Seite“ arbeiten. Auf moodle@RLP wurde darauf geachtet, dass die einzelnen Schulinstanzen deutlich voneinander getrennt sind. Getrennte Datenbanken sichern, dass die eine Schule nicht die andere runterziehen kann. Wie das in der Schulcloud technisch im Hintergrund aufgebaut ist, weiß ich nicht.

Alles in allem ist für damit klar, das die Nutzung der Schulcloud für mich keinen Sinn macht! moodle kann einfach viel mehr als die Schulcloud. Wer moodle vor einigen Jahren in seinem klassischen Design gesehen hat, sollte sich mal Themen wie Fordson anschauen,  die das altbackene Design in eine moderne Oberfläche verwandeln. Und das bei der gleichen, umfangreichen Funktionalität! Klar ist, dass moodle mit seinen ganzen Möglichkeiten aufwendiger zu erlernen ist, vor allem wenn man alles können will. Da muss man dann doch etwas Zeit investieren. Mit Hilfe des Level-Plugins kann man aber für Änfanger die Benutzung vereinfachen. Und das Anlegen von einfachen Aktivitäten, wie Textseiten, Dateien und URLs, ist in wenigen Minuten erlernt. Wer Angst vor den vielen Einstellungsmöglichkeiten beim Erstellen eines Kurses hat, sollte sich helfen lassen, denn dann ist die größte Hürde genommen und man sich sich mit der Zeit einarbeiten, Sicherheit im Umgang bekommen und sich dann nach und nach an die vielen Möglichkeiten herantrauen.

Bis der „Jüngling“ Schulcloud sich an das gestandene moodle mit seinen 17 Jahren Entwicklungszeit herangearbeitet hat, wird seeeehr viel Zeit vergehen. Es lohnt sich also, bei moodle reinzuschauen. Das sollte man bedenken, wenn man sich mit Schulcloud beschäftigt.

 

PS: Das ich hier nur moodle mit der Schulcloud vergleiche liegt natürlich daran, dass ich auf andere Systeme keinen Zugriff hat. Wer will, kann ja ähnliche Artikel für itslearning und Co. aufsetzen

4 Kommentare

  1. Danke für diesen Vergleich.
    Hier in Baden-Württemberg ist die zentrale Schoolcloud Ella ja leider an die Wand gefahren worden, so dass weiterhin kein zentral gemanagetes LMS gibt. Aber jede Schule kann sich eine Moodleinstanz beim zentralen Provider Belwue hosten lassen – leider in einer stark veralteten Version, (immer noch 3.1) so dass die schönen und Dsgvokompatiblen Neuerungen von 3.4 und 3.5 nicht verfügbar sind und kein ernsthafter Vergleich mit der HPI-Lösun8g möglich ist.
    Aber nach 2,5 Jahren Moodleadmin und Lehrer habe ich auch mit 3.12 soviele Möglichkeiten ansprechenden UR zu gestalten, dass ich die Wechselargumente schlecht nachvollziehen kann.
    Das Look and Feel kann ja in den neueren Versionen stark verbessert werden. Aber die Oberfläche ist meinen Schülern fast egal. Sie interessiert viel mehr, ob es viele verschiedene Aktivitäten gibt, ob diese funktionieren und ihnen mehr Eigenkontrolle auf ihrem Lernweg ermöglichen.
    Seitdem H5P dabei ist kann ich hier nicht mehr klagen und auch die Scormintegration löst vieles.
    Ärgerlich finde ich nur die App, die gerade bei den verschiedenen Aktivitäten in Tests regelmäßig dann doch den Browser startet, so dass es mehr Sinn macht, ohne sie gleim Browser zu arbeiten – auch mobil.
    Schade dass die Länder oder gar der Bund hier nicht Mittel in die Hand nehmen, dem an sich ausgereiftem Moodlesystem eine fluffige App zukommen zu lassen, anstatt nun Millionen in ein neues unerprobtes System zu pusten, dass von allen Kollegen dann wieder einen Systemwechsel verlangt und damit Jahre an pädagogischer Arbeit zu Nichte macht.
    Überhaupt finde ich die pädagogischen Möglichkeiten in der Diskussion völlig marginalisiert. Wie sich mit den Systemen welche Art von Unterricht, mit welchen Lernsituationen und Arrangements, Schülerbeteiligung, Methoden und Sequenzen realisieren lassen, wird kaum diskutiert. Welche Voraussetzungen für eine inklusive Stoffvermittlung, Aufgabenaustausch unter Kollegen, Schulorganisation und Informationsautausch systemseitig notwendig sind, scheint drittrangig zu sein.
    Erfahrungen, die bisher mit Moodle gemacht wurden, werden häufig ignoriert oder auf die schlechten eigenen aus dem Lehrerseminar reduziert.

  2. Hallo Birgit,

    vielen Dank für den ausführlichen Vergleich. Ich habe auch jahrelang mit Moodle gearbeitet. Leider hat es sich an meiner Schule kaum durchgesetzt, da die Bedienung nicht sehr intuitiv ist, wie viele finden.

    Mittlerweile setzt unsere Schule auf IServ 3. Dieses System ist vom UI ähnlich aufgebaut wie die Schul-Cloud, kann als LMS viel weniger als Moodle und gleichzeitig technisch viel mehr, da es zusätzlich noch die ganze Software-Verteilung und E-Mail-Kommunikation usw. abbildet. Und siehe da: die Akzeptanz ist viel größer, als die die wir mit Moodle jemals hätten erreichen können.

    Häufig sind es kleine (kleinste) Details, die ausmachen, ob ein System von den Nutzern angenommen wird oder nicht. Die Bedienbarkeit von IServ3 ist sehr viel intiuitiver, auch wenn weniger umfängliche Funktionen im Vergleich zu Moodle zur Verfügung stehen.

    Das gleiche Problem habe ich mit H5P. Sicher könnte ich mich einarbeiten und würde es gerne nutzen, um Quizze zu erstellen. Ich habe gestern versucht ein Quiz von feedbackr.io auf H5P umzuziehen. Natürlich hätte ich es abändern müssen, da H5P ein paar Einschränkungen hat. Allein wäre nur der zeitliche Aufwand zu groß gewesen. Während ich das Quiz auf feedbackr.io ohne Vorkenntnisse in 15 Minuten erstellt habe, hätte ich dafür in H5P allein wegen der umständlichen Klickwege sicherlich mindestens doppelt so lange benötigt. Von der Erstellung von H5P-Quizzen müsste ich KollegInnen derzeit abraten.

    Von daher sehe ich die Schul-Cloud nicht ganz so kritisch. Sicherlich hat sie einen geringeren Funktionsumfang, aber wenn sie von mehre Kollegien angenommen wird, weil die Bedienbarkeit einfacher ist, ist das doch nichts Schlechtes, oder? Außerdem gefällt mir, dass diese neuen Plattform offen entwickelt wird (OpenSource).

    Viele Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Ich akzeptiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.