Pasco Bluetooth-Sensor und Software angetestet

Beim Experten-Treffen zur Digitalen Messwert-Erfassung (siehe Blog-Artikel) wurden von Kollegen  Beispiele für Experimente vorgestellt und dabei bekam ich auch einige der bisher üblichen Systeme vorgestellt.

In diesem Blog-Artikel geht es um die Frage, was ein Sensor für eine Digitale Messwert-Erfassung meiner Meinung nach aktuell können sollte und ich möchte zeigen, was ich da auf der MNU-Tagung entdeckt habe!

Bei der Unterhaltung mit den Kollegen, die ihre Experimente vorgestellt haben, erkundigte ich mich auch nach den folgenden potentiellen Problemen, an die ich denken muss:

  • Wie sind die Kosten? Auch wenn man ja als Schule und Chemie-Fachbereich einigermaßen unproblematisch an Geld über den Fond der Chemischen Industrie kommt, so sollte man aus verschiedenen Gründen darauf achten, dass das System nicht zu viel kostet.
  • Wie einfach ist es zu bedienen? Es wäre optimal, wenn nicht nur die Kollegen sondern auch die Schüler die Sensoren möglichst ohne große Einweisung nutzen können.
  • Kann ich einen Sensor auch an allen Arten von Mobil-Geräten nutzen? Das wäre mir recht wichtig, denn ich sehe die Zukunft nicht in Geräten, die von von der Schule gestellt werden (Stichwort Tabletklasse), sondern in einem BYOD-Konzept, bei dem die Schüler vielleicht zuerst nur ihr sowieso vorhandenes Smartphone nutzen, aber nach und nach auf selbstbezahlte Tablets umsteigen werden. Ein einfache Anbindung/Verbindung wäre da wichtig, die keine zusätzliche Hardware oder Installationen erfordert.
  • Gibt es auch die Software möglichst kostenlos und für alle Betriebssystem? Hier spielt das Problem eine Rolle, dass das Betriebssystem Linux gerne mal übergangen wird. Das wäre bei mir aber schon wichtig, da ich selber Linux nutze und wir es auch an der Schule installiert haben. Das die Software kostenlos ist, wäre es wieder eine Frage des Geldes und damit wäre es Schülern auch möglich, eine Software zu Hause zu nutzen.
  • Können die Daten leicht exportiert werden in ein Format, dass man weiterverwenden kann? Hier geht es mir um die Möglichkeit, die Daten in anderen Programmen nutzen und verarbeiten zu können. GeoGebra oder ein Tabellenkalkulations-Programm sind da zwei Möglichkeiten.

Die meisten Systeme  waren nicht wirklich perfekt, gerade der Preis war eigentlich immer das Hauptproblem. Häufig war aber auch die Software problematisch und auf welchem Betriebssystem man sie nutzen kann.

Hoffnung machte mir die Vorstellung des Apps Phyphox, das zunächst einmal dafür da ist, die in einem Smartphone üblicherweise vorhandenen Sensoren zu nutzen, um Messungen vorzunehmen und darzustellen. Einer der Entwickler, Sebastian Staaks (vorher Kuhlen), berichtete davon, dass er Kontakt mit den Herstellern von externen Sensoren hat, die teilweise Interesse haben, eine Einbindung und Nutzung von ihren Sensoren an das App zu ermöglichen. Und da gäbe es ja schon einige, die sich per Bluetooth verbinden lassen. Das lies mich aufhorchen und hoffen, dass man mit PhyPhox dann auch vielleicht eine App hätte, die alle Sensoren ohne Probleme auslesen könnte. Wir bekamen eine Entwickler-Version vorgestellt, die sich mit einem mitgebrachten TI-Sensor verbinden lies (vermutlich über Bluetooth) so dass man die Messungen und Experimente nicht mit dem Smartphone sondern mit dem Sensor durchführen kann.

Besuch der Ausstellungen

Zwischen dem Experten-Treffen und einem Workshop, den ich für den Nachmittag gebucht hatte, war Zeit für das Mittagessen und später schlenderte ich an den Ausstellungsständen vorbei. Dabei interessierten mich natürlich vor allem Materialien für Chemie und Mathematik. Speziell wegen den Sensoren wollte ich mich aber auch umschauen, denn ich bekam beim Experten-Treffen den Tipp, doch mal zu schauen, was da angeboten wird.

Eher zum Schluss kam ich am Stand der Firma Conatex vorbei und schaute genauer hin. Da entdeckte ich verschiedene Sensoren und erfreulicherweise auch solche, die von sich aus eine Bluetooth-Schnittstelle anbieten und damit direkt mit einem Mobil-Gerät verbunden werden können. Ich unterhielt mich mit dem Mitarbeiter und der fragte mich, ob ich Interesse an einem kostenlosen Temperatur-Sensor hätte. Nach Angabe meiner Daten bekam ich einen und als ich erwähnte, dass ich ihn ausprobieren wolle und darüber einen Blog-Eintrag schreiben werden, bekam ich netterweise noch einen zweiten Sensor, („leider“ wieder nur zur Temperatur-Messung).

Temperatur-Sensor angetestet

Die Tüte, die ich am Conatex-Stand bekommen habe, enthielt neben dem Sensor eine kleine Anleitung, in Form einer laminierten Karte. Der Sensor selber hat am Ende des Messfühlers ein kleines Kästchen, dass den Bluetooth-Sender mit einer Standard-Knopf-Batterie als Stromversorgung und einen Knopf zum An- und Ausschalten enthielt.

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Zum Testen gab es einen Temperatur-Sensor gratis mit Anleitungskärtchen
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Komplett-Ansicht des Sensors. Könnte z.B. am Kästchen mit einer Stativ-Kleme befestigt werden.
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Einziger Bedienknopf zum An- und Ausschalten.
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Der Sensor ist wasserdicht, auch weil er nicht per USB aufgeladen werden muss sondern eine Batterie hat.

Die Installation der Software SPARKvue, die man für Mobil-Geräte (Android und iOS) sowie Chrombooks kostenlos bekommt, war unproblematisch. Es gibt auch Versionen für PC (Windows und MacOS), die aber kostenpflichtig sind. Eine Linux-Version wird leider nicht angeboten. Es gab eine QR-Code auf dem Anleitungs-Kärtchen, den man scannen konnte, um die Software zu installieren, aber die Suche über den Namen war auch unproblematisch.

Hier nun ein kleines Video, in dem ich zeige, wie einfach sich der Temperatur-Sensor mit dem Tablet verbinden und nutzen lässt.

Wie man sieht, ist das Verbinden des Tablets mit dem Sensor wirklich extrem einfach. Man muss auch für das Verbinden mit dem Sensor keine weiteren Einstellungs-Bereiche öffnen, denn alles geschieht im App SPARKvue selber. Etwas aufwendiger ist sicher, wenn man mehrere Sensoren zusammen nutzen will, dazu muss man sich mit SPARvue sicher noch ein wenig mehr beschäftigen.

Was ich auch noch testen will ist die Frage, wie man mit aufgezeichneten Datensätzen umgehen kann, damit ich sie zum Beispiel am PC – etwa auch unter Linux – nutzen kann. SPARKvue bietet selber einige Auswertungsmöglichkeiten, die es noch auszutesten gilt.

Weitere Ressourcen von Pasco

Nachdem ich mich nun ein wenig mit dem Sensor beschäftigt habe, schaute ich mich nach mehr Informationen um. Zum einen ist ja die App so umfangreich, dass ich mir neben den ersten eigenen Erfahrungen zur Nutzung weitere Tutorials erhofft habe, wo ich lerne, wie ich alle Fähigkeiten nutzen kann. Es gibt zwar ein ausführliches Handbuch, das in der App integriert ist (auch auf Deutsch), aber ich habe es spontan als etwas unübersichtlich und nicht wirklich hilfreich empfunden. Dann interessierte mich die Frage, welche Sensoren es noch gibt und wieviel diese kosten.

Bei meiner Suche fand ich dann die folgenden Seiten:

  • Die Firma Conatex vertreibt in Deutschland die Pasco-Senoren. Daher ist die Anlaufstelle für die Preise und verfügbare Sensoren deren Homepage. Der Temperatur-Sensor scheint zu einer eher neuen Reihe von Sensoren, die als smarte Sensoren bezeichnet werden, gehören. Im Überblick kommt es mir so vor, als ob es noch Lücken gibt und noch nicht alle üblichen Messsensoren und Hilfsmittel (Tropfenzähler) in einer „smarten“ Variante verfügbar sind. Dafür gibt es auch einen „Air-Link“ mit dem auch „alte Sensoren“ von Pasco per Bluetooth verbunden werden können.
  • Pasco hat einen YouTube-Auftritt, auf dem in Videos die Funktion der Sensoren und der Software vorgestellt werden. Für Chemie wäre das dieser Channel. Wobei die ältern Videos sich auf nicht-smarte Sensoren beziehen und auch eine ältere Software-Variante zeigen. Daher kann man sich einfach auf die obersten Videos in der Playlist konzentrieren.
  • Beim Umschauen auf der Pasco-Homepage entdeckte ich eine Sammlung von Experimenten, die mit den Sensoren durchgeführt werden können. Dazu gibt es eine Digitale Bibliothek, die Arbeitsblätter für Schüler als PDF und auch als Word-Dokument zum Herunterladen enthalten.
  • Wo ich mich noch einmal umschauen muss, ist zu dem Begriff SPARKLab. Ich vermute, dass das vorkonfigurierte Einstellungen für die Software SPARKvue sind, wo festgelegt ist, wie Sensoren genutzt und wie deren Daten dann dargestellt werden (im meinem Beispiel nur ein Graph mit entsprechenden Messwerten auf den Achsen). Ich dachte, diese SPARKLabs wären auch in der Digitalen Bibliothek enthalten, aber nur auf dieser Seite kann man sich wohl aus einer Übersicht von Experimenten Dateien mit der Endung *.spk oder *.spk2 herunterladen. Ob das diese SPARKLabs sind, werde ich noch testen und auch schauen, wie man sie installiert. Beim Neustart von SPARKvue gab es aber auch eine Meldung, das Inhalte erneuert wurden. Vielleicht wurden da neue SPARKLabs ergänzt, die dann bei Bedarf passend zu den verbundenen Sensoren angeboten werden.

Fazit

Ich finde das Konzept auf jeden Fall interessant und besonders praktisch finde ich, dass man einzelne Sensoren unabhängig von anderer Hardware nutzen kann. Das bedeutet dass man sich einfach ein paar Sensoren ohne ein teures Basisgerät kaufen und die ohne viel Aufwand nutzen kann.  So könnte man sich nach und nach eine Sammlung von Sensoren zulegen, mit denen immer mehr Arten an Experimenten möglich sind.

Ich werde den Kollegen an meiner Schule den Temperatur-Sensor vorstellen und mal schauen, ob irgendwann einmal Geld vorhanden ist, um sich ein Set zuzulegen, denn diese Sensoren sind scheinbar genau das, was ich gesucht habe! Meine einziger Wermutstropfen ist die Tatsache, dass es keine Linux-Software gibt.

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