Zum Inkscape-Profi werden … aber wie?

Seit einigen Jahren schon nutze ich selber Inkscape um Zeichnungen für Chemie und auch Mathe zu erstellen. Alle geometrischen Konstruktion zeichne ich aber natürlich in GeoGebra, denn das ist dafür wesentlich besser geeignet.

Wenn ich meine Zeichnungen, speziell die aufwendigeren und speziell für den Unterricht gemacht, über Twitter verbreite, werde ich manchmal gefragt, welches Programm ich nutze. Dann verweise ich natürlich auf Inkscape, das sich inzwischen zu einer festen Größe in der Riege der freien Top-Software entwickelt hat. Es gibt natürlich auch Alternativen wie Krita, aber wenn man sich ein Programm gewöhnt hat, dann bleibt man erst einmal dabei. Und Inkscape bietet mir im Moment alles, was ich brauche. Meine Produkte findet ihr auf OpenClipart hier.

In diesem Artikel möchte ich ein paar Tipps für alle interessierten Kollegen zusammenfassen und auch berichten, wie ich mich selber weiterbilde.

Erst suchen dann anfangen

Wenn ich eine neue Zeichnung starte, zeichne ich selten auf einer leeren Seite los. Ich versuche also immer so viel wie möglich wieder zu verwenden. Entweder Zeichnungen von mir oder wenn ich spezielle Gegenstände brauche, die man gut benennen und damit suchen kann, schaue ich bei OpenClipart nach.

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Die Figur wurde ausgezogen (Körper statt Kleidung zeichnen) und Bilder ergänzt. Von 4-Finger Handschuh einen entfernen.
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Werkzeuge, die schon auf OpenClipart vorhanden waren wurden zusammengesetzt und etwas Text ergänzt.
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Die Ionen stammen von mir, den Hammer habe ich schon mehrfach verwendet. Dazu Striche um die Bewegung anzudeuten.
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Bis auf die Pfeile und ein paar Striche/Ellipsen alles "geklaut". Geschickt kombinieren ... fertig.
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Hier habe ich in kürzester Zeit lauter eigene Zeichnungen kombiniert. Dreibein, Platte und Abdampfschale waren schnell dazu gezeichnet.

Da alle Zeichnungen der CC0-Lizenz unterliegen muss ich meinen Bildern, auch wenn ich sie dann wieder bei OpenClipart veröffentliche, keine Quellen angeben. Wobei es üblich ist, dass man Bilder mit nur geringen Änderungen als abgeleitet markiert, indem man auf die Seite der Quelle geht und dort den Remix hochlädt (Upload Remix).

Wichtige Handgriffe lernen

Auch wenn schon viel vorhanden ist muss man doch Grundkenntnisse der Bedienung haben, damit man Teile aus einer Zeichnung herausholen kann, man muss wissen, wie man die Größe anpasst und wie man klein Änderungen vornehmen kann.

Dazu sollte man wirklich erst einmal von vorne anfangen und einfache Figuren zeichnen. Wer will kann natürlich selber herumprobieren oder sich die Videos von mir anschauen, bei denen ich zeige, wie man Inkscape bedient.

Wer es lieber etwas altmodisch will, dem könnte ich das Buch „Inkscape: Guide to a Vector Drawing Program“ empfehlen, dass ich mir vor einige Zeit mal gekauft habe. Das eine oder andere habe ich dabei auch dazu gelernt. Es ist auch für Anfänger geeignet.

Und dann zum Profi werden!?

Okay, als Profi würde ich mich nicht bezeichnen. Meine Zeichnungen sind zwar ganz hübsch und vor allem sinnvoll, aber die Möglichkeiten von Inkscape sind da beileibe nicht ausgeschöpft. Ich beschränke mich auf einfache Konturen und passe vorhandene Zeichnungen an.

Wenn ich genug Zeit habe, versuche ich mich aber auch fortzubilden. Meist mache ich das, indem ich schaue, was einige erfahrenere Zeichner so veröffentlichen. Es ist einige Stellen im Internet, wo diese Tipps und Tricks zeigen, die man mit etwas Vorerfahrung nachvollziehen kann.

  • Bei YouTube gibt es immer mal wieder Videos, in denen vorgemacht wird, wie man ein bestimmtes Bild zeichnet. Man kann es dann einfach nachmachen und lernt dann womöglich noch etwas. Einfach nach Inkscape suchen oder spezieller Inkscape und Tutorials.
    • Als ich mich für den Artikel hier umgesehen habe bin ich auf den Kanal von Kanal von Nick Saporito aufmerksam geworden. Er hat viele Tutorials für Anfänger aber auch Fortgeschrittene und Erfahrene Nutzer. Die Tutorials sind auf englisch, aber das sollte keine Problem sein! Er zeigt auch, wie er 3D-Zeichnungen erstellt, die wirklich toll aussehen.
  • Auf seiner Seite 2DGameArtGuru berichtet ein Zeichner, wie er verschiedene 2D-Bilder zeichnet. Thematisch sind fast alle Bilder in Richtung von 2D-Comic-Bildern, wobei der Inhalt aber sehr variabel ist. So gibt es Anleitungen und Vorlagen zum zeichnen von mittelalterlichen Häusern, Raumschiffe, Waffen, verschiedene Gestalten die trotz Einfachheit toll aussehen und Anleitungen zum Gestalten von Menschen und Charakteren … vom Gesicht bis zum Körper.
  • Auf Google+ gibt es eine Inkscape Community, in der immer wieder Bilder und auch andere Produkte vorgestellt werden. So bekommt man Ideen aber teilweise auch Informationen, wie man das eine oder andere machen kann.

Warum ich mir soviel Arbeit mache?

Viele fragen mich auch, wie ich soviel Zeit habe, diese vielen Bilder zu zeichnen.

Nun, zum einen ist es für mich selber fast wie Meditation, wenn ich da an einer neuen und aufwendigen Zeichnung arbeite. Ich bin ganz versunken und brauche ein wenig Ruhe.

Hauptgrund ist aber vor allem, dass ich freie Bilder haben möchte, die ich beliebig einsetzen kann. Und bevor ich lange suchen muss, mache ich sie lieber selber.

Außerdem sollte klar sein, dass meine Zeichnung nicht alle innerhalb kurzer Zeit entstanden sind. Meine ersten Bilder bei OpenClipart stammen von 2013 und man erkennt, dass sich zu manchen Zeiten die Uploads häufen. Meist sind das Ferien, in denen ich etwas ausprobiere. Und so habe ich in den Ferien immer mal wieder einen Schwung an neuen Geräten für das Chemie-Labor produziert.

Inzwischen hat das zur Folge, dass ich viele Geräte bereits habe und in Zeichnungen schnell einfügen kann. Und außerdem bin ich inzwischen so geübt, dass die meisten Sachen schnell erledigt sind, wenn ich mal wirklich etwas direkt brauche.

Wer also anfängt, sollte nicht zu viel erwarten, sondern sich Zeit lassen … auch was das Erlernen betrifft.

Wissen Weitergeben

Vor 1,5 Jahren habe ich bei mir an der Schule eine Computer-Grafik-AG eingerichtet und habe ein paar Schüler die Benutzung von Inkscape gezeigt. Der große Renner ist die AG nicht. Es sind eher Außenseiter, nicht die großen Stars, sondern eher die, die sich auch mal die Zeit nehmen und konzentriert an einer Zeichnung einige Zeit dasitzen wollen und können. Auf der anderen Seite könnte ich mit einer großen Gruppe nicht so gut arbeiten. Inzwischen ist die zweite Generation dazu gestoßen und wir haben zwei Kenntnis-Stufen. Die „Alten“ helfen dann aber den „Neuen“ und das werde ich auch noch ausbauen, indem ich zum Beispiel eine Liste erstellen, was die Neuen alles nacheinander machen müssen.

Neben den Zeichenfähigkeiten werden aber auch vor allem Fähigkeiten im Umgang mit dem Computer gewonnen. Etwa wie man Tastaturabkürzungen nutzt (STRG+Z, +C, +V usw.) mit der Maus und der linken Hand an der Tastatur schnell die Ansicht verändern kann.

Vor Beginn der AG hatte ich mir Notizen gemacht, was ich mit den Kindern behandeln sollte, damit sie alles wichtige lernen. Ein wichtiger Punkt bei Kinder scheint mir das Ziel zu sein. Nicht „Wir lernen wie das XY-Tool zu bedienen ist“ sondern „Wir wollen so etwas zeichnen und dazu nutzen wir das neue Tool XY“.

Meine Notizen sind hier zu finden, falls es jemand interessiert 😉

2 Kommentare

    1. Her mit der Frage … geht es um die neue Oberfläche bei den Farbverläufen? Ist jetzt etwas anders und man muss erst einmal suchen, wo alles zu finden ist.

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